Fernöstliche Schwerelosigkeit

Bei Slutzky und Schwind

Himmelblau ist der Traum mit der zarten Wolke, in der sie tanzen, die kleinen runden und ovalen Drogen für ein kurzes glückliches Eintauchen in die Unendlichkeit. Sollte sie der Versuchung nachgeben, fragt sich ernsten Auges eine Schöne vom Stamme Roy Lichtensteins. Schwerelos malt und zeichnet Soyeon Kim dieses Alltagsmotiv gemäß ihrer koreanischen Heimat mit dünnen Wasserfarben. Gleicherweise schwerelos verklärt sie den eher friedfertigen vieräugigen Hund, der der Sage nach die Geister fängt.

Sie malt auch eine ins Wolkenbündel des Alls greifende Hand und daneben eine Frau, die via heutiger Technik mit Auge und Ohr der ganzen großen Weite des Erdballs venetzt ist. So leichthändig verbindet die 1971 geborene, in Seoul und an der Städelschule - bei Per Kirkeby ausgebildete Künstlerin ihre Beobachtungen westlich geprägter Lebensweise mit den maltechnischen und philosophischen Überlieferungen ihres Landes, das im Staatswappen mit gleichartigen Formen Yin und Yang, die Symbole der Urkräfte Himmel und Erde, im sanften Schwung miteinander vereint. Zu sehen sind ihre wie Skizzen vom Aquarellblock wirkenden Szenen noch bei Bernd Slutzky (Frankenallee 74). Bis 15. Januar, Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr.

Auf vollkommen entgegengesetzte Weise sucht ihre fünf Jahre ältere Kollegin und Landsmännin Min-Seon Kim, die ebenfalls in Seoul studiert hat, bevor sie an der Kunstakademie Münster weiterlernte, das Thema Ost/West zu interpretieren. Auf großformatigen Leinwänden umgibt sie in feinster Ölmalerei die wunderbare Gefäßkeramik und Textilkunst ihres Landes mit musealer Gloriole. Unnahbar in ihrer feierlichen Schönheit verlocken fast transparent dünnwandige Schalen zur ästhetischen Durchdringung ihrer schier immateriellen Stofflichkeit, laden wunderbar gemusterte Textilien ein nicht nur zum optischen Genuß. Man möchte mit den Fingerspitzen die feinen Webereien fühlen, den Seiden- und Goldfäden der zauberhaften Ornamente nachspüren. Doch kühl und glatt scheinen sie sich wie Vitrinenobjekte jeglicher Berührung zu entziehen. Die Phantasie des Besuchers anregend sind jedoch die Titel dieser betörenden Seiden: "Geheimauftrag" etwa. Zu sehen in der Galerie Schwind (Gärtnerweg 26). Bis 31. Januar, Dienstag bis Freitag von 13 bis 18.30 Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr.

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